Die Basketball-Bundesliga (BBL) steht vor tiefgreifenden Veränderungen und ist ganz still und ungemerkt in die Krise geschlittert. Doch kaum einer nimmt es wahr, nur wenige interessiert es. Und da wären wir dann auch schon bei einem großen Problemkomplex. Der BBL fehlt die Aufmerksamkeit, aber das ist nur ein Mosaiksteinchen in einem ganz großen Puzzle vieler kleiner Teile.
Dass dieses Thema jetzt überhaupt so tiefgreifend auf der Tagesordnung steht, sind einigen Entwicklungen der letzten Wochen geschuldet. Zahlreiche Vereinen sehen sich mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert, und unter diesen Vereinen sind jetzt keine kleinen Fische dabei, sondern schon einige wichtige sportliche und finanzielle Stützen der BBL. Die Bayer Giants Leverkusen und Ratiopharm Ulm verlieren zum Ende der Saison ihren Hauptsponsor, eine Zukunft der Vereine ist mehr als ungewiss. Zumindest in Leverkusen dürfte klar sein, dass es in der Stadt keinen Profibasketball mehr geben wird. Ganz großes Sorgenkind sind im Moment die Köln 99ers, bei denen der Hauptsponsor sehr plötzlich abgesprungen ist. Es fehlen dem Meister von 2006 fast eine Million Euro. Immerhin wurde mit einem lokalen Unternehmen sehr schnell ein neuer Sponsor gefunden. Bereits gestern mussten die Verantwortlichen der 99ers der BBL-Geschäftsführung ein Konzept vorlegen, aus dem hervorgehen muss, dass der Spielbetrieb bis zum Ende der Saison gesichert sei. Doch die Entscheidung verzögerte sich, gestern gab es noch keine Einigung.
Aufgrund der dramatischen Entwicklungen der letzten Tage haben die Vereine und auch die Verantwortlichen im Führungsstab der BBL schnell eingesehen, dass etwas passieren muss. Zwei Themenfelder werden dabei verstärkt diskutiert: Eine Verkleinerung der Liga sowie mehr TV-Präsenz.
Doch zumindest bei der Verkleinerung der Liga wird ein Kompromiss kaum möglich sein. Alba Berlin ist der einzige Verein, der sich wirklich hervor tut und diese Maßnahme wünscht. Diese Pläne stoßen aber gerade bei den finanzschwachen Vereinen auf viel Kritik. Und auch der Geschäftsführer der BBL, Jan Pommer, sieht keinen Bedarf nach einer Verkleinerung der Liga. Was die Diskussion aber zumindest zeigt, ist, dass es irgendwie mehr finanzielle Spielräume für die Vereine geben muss, heißt aber eben auch mehr finanzielle Möglichkeiten, sprich mehr Einnahmen.
Und zumindest beim Thema der Vermarktung der TV-Rechte hat sich die BBL viele Wege durch unüberlegtes Verhalten verbaut. Der Liga fehlt jegliche TV-Präsenz für die große Masse. Am vergangenen Sonntag war der BBL Geschäftsführer Jan Pommer zu Gast in der Sendung Sportclub live im NDR Fernsehen. Anlässlich dieses Besuches gab es vorher einen kurzen Spielbericht der Partie Eisbären Bremerhaven gegen die Phantoms Braunschweig, das waren die ersten Minuten BBL, die ich seit Beginn der Saison im Oktober im Free-TV gesehen habe. Angesprochen auf die mangelnde TV-Präsenz sagte Pommer, dass man mit dem Weggang von Premiere Zäune eingerissen habe und mit sportdigital einen hervorragenden Partner gefunden habe. Dadurch könne man nun viel mehr Spiele produzieren und den Basketball-Fans anbieten. Nur, was bringen mehr produzierte Spiele, wenn sie kaum einer schaut bzw. schauen will? Mal ein kurzer Rückblick: Drei Jahre lang lief die BBL im Pay-TV bei Premiere, zu Beginn meist samstags direkt nach der Bundesliga und sonntags nach der Partie aus der DEL. Das war sehr erfolgreich, man hatte für den Anfang ausgezeichnete Quoten. Dank der Einführung des Sportportals und dem Zappen zwischen den Optionen gingen den BBL-Übertragungen zahlreiche Zuschauer verloren, Premiere sah aufgrund der geringeren Quote keinen Bedarf mehr für die BBL bzw. war erstaunt darüber, dass sich die BBL einfach einen neuen TV-Partner suchte. Ende der vergangenen Saison lief der Vertrag mit Premiere aus, man wolle sich nach der Saison konstruktiv zusammensetzen, hieß es. Doch schon Wochen vorher präsentierte die BBL den ultimativen Kick. BBL zukünftig nur noch im Internet bei sportdigital.tv. Damit war dann auch für Premiere eigentlich klar, dass es mit dem Exklusivitätswahn im Hinterkopf auf die BBL zu setzen sich nicht mehr lohnte. Man beendete die Zusammenarbeit. Die BBL ist also nicht völlig schuldlos, was der Rückzug aus dem Pay-TV angeht. Premiere hat dabei auch ein paar Steine in den Weg gelegt. Die BBL freute sich mit sportdigital.tv auf ein neues Medienzeitalter. Jan Pommer sagte bei Abschluss des Vertrages:
“Mit sportdigital.tv werden alle Vereine viel häufiger live zu sehen sein. Davon profitieren Fans und Vereine gleichermaßen. Das versetzt uns als Ligen erstmals in die Lage, nicht nur den Fans auf unseren eigenen Kanälen ihren Lieblingssport zu präsentieren, sondern die Sportart auch stärker als bisher im frei empfangbaren Fernsehen national und international zu positionieren.”
Der Versuch das Free-TV in das neue Zeitalter ist dann wohl gescheitert. Klar kann man jetzt Gründe anführen - auch im Vergleich zu Handball - dass man keine Weltmeisterschaft im eigenen Land hatte oder nie einen großen Titel gewann (wobei ich mich frage, warum Pommer nie den 3. Platz bei der WM 2003 und den 2. Platz 2005 bei der EM erwähnt), aber das sind alles nur Randfaktoren, die eigentlich nicht zur Rechtfertigung dienen sollten. Mit Dirk Nowitzki hat man einen der besten Basketballer der Welt aus Deutschland, Erfolge in der Nationalmannschaft waren da - so what? Die BBL hat den großen Fehler gemacht, auch in Zeiten der Berichterstattung bei Premiere - nur wenig aufs Free-TV zu setzen. Und jetzt hat man einen Vertrag mit einem Nischenprodukt abgeschlossen und hat den Schwarzen Peter im eigenen Haus, weil die DEL und auch die Handball-Bundesliga in dieser Zeit den Weg ins Free-TV gefunden haben. Die waren einfach einen Tick schneller. Sogar in den Sportnachrichten von N-TV gibt es bewegte Bilder aus der DEL, die von Premiere übernommen werden. Die Ergebnisse der BBL werden schlicht auf einer Ergebnistafel präsentiert. Ich habe noch kein Bild von sportdigital.tv im Free-TV gesehen. Und eine Live-Übertragung aus der BBL, wie zwischen Berlin und Bamberg am 08. Dezember 2007, war wohl auch mehr die Ausnahme der Regel. Und die Vereine haben unter der Internet-Übertragung auch zu leiden. Es werden darüber praktisch keine Sponsoren gewonnen werden können. “Da bringen uns drei Minuten im SWR mehr als ein Jahr bbl.tv,” sagt Andreas Oettel, Geschäftsführer für Finanzen bei Ratiopharm Ulm. Zusammengefasst: Die BBL hat sich auch selbst in diese missliche Lage gebracht und hat durchaus eine Teilschuld an der geringen Präsenz der BBL.
Und dann muss man sich immer die Frage stellen, was man aus Sicht der BBL eigentlich erreichen will. Will man die Basketball-Fraks bedienen und an der Stange halten oder auch mal ernsthaft versuchen neue Fans zu rekrutieren. Letzteres wäre eigentlich entscheidend für einen neuen Wachstumsimpuls der BBL. Das geht aber vor allem, wenn man die BBL den Massen zugänglich macht, eben via Free-TV. Wer will denn schon Stunden vor dem PC sitzen und ein Basketballspiel schauen? Und bis jetzt ist sportdigital auch nur via der Satellitenplattform entavio mit z.B. Extrakosten für Premiere-Abonnenten zugänglich. Zu einer Verbreitung im Kabelnetz hört man gar nichts mehr. Via Satellit strebt man seitens sportdigital.tv eine Kooperation mit Premiere Star an, Premiere hat für 2008 weitere Gespräche signalisiert. Was das in Zeiten von Kostensenkungsprogrammen heißt, kann man sich denken. Ganz interessant auch was man in dem Interview zur Abonnentenzahl vom Sportdigital-Geschäftsführer Gisbert Wundram hört:
“Wir kalkulieren kurz- bis mittelfristig mit einer 5-stelligen Abonnentenzahl im unteren Bereich und bewegen uns dann im Rahmen der von uns gesteckten Ziele.”
Interessant wäre dann mal zu erfragen, wieviele der Sportdigital-Abonnenten davon den Basketball-Teil abonniert haben und nicht den zugkräftigeren Handball-Bereich. Nun ja, rechnen wir einfach mal kurz. Gehen wir von 30.000 Abonnenten insgesamt aus, davon dann vielleicht 10.000, die das Basketball-Paket abonniert haben. Die Einschaltquoten bei Premiere lagen im Saisondurchschnitt mindestens doppelt so hoch, die Playoffs und Finals sahen fast 100.000 Menschen.
Lassen wir nochmal Jan Pommer sprechen, der sich in der Sendung am Sonntag dann zu diesem Fazit traute:
“Zuschauerinteressen und TV-Reichweite entwickeln sich signifikant positiv.”
Kann mir einer erklären, wie Pommer auf diese sehr gewagte These kommt? Über Sportdigital schauen weniger Leute BBL als über Premiere. Und was nützt es, wenn es billiger, moderner, einfacher, umfangreicher und vielleicht auch besser ist, wenn es kaum einer guckt. Die BBL holen jetzt die Fehler der Vergangenheit ein. Schade eigentlich. Denn mit dem Rückzug von Premiere hatte man eine große Chance, die man sträflichst versäumt hat zum Wohle der Vereine und Fans zu nutzen.