Das Dorf mit Straßenbahnanschluss bekommt ein neues S-Bahn Netz
Verfasst von Felix am Mittwoch,12 März, 2008
Von Bremen wird ja gerne als “Dorf mit Straßenbahnanschluss” gesprochen, ab 2010 sollte man die Bezeichnung zumindest ein bisschen einschränken. Denn der Großraum Bremen bekommt ab 2010 ein neues S-Bahn Netz, mit neuen Linienläufen und neuen Fahrzeugen. Seit 2003 wurde viel über eine neue Linienführung diskutiert, teilweise gab es sogar Gedanken, die S-Bahnen ins Straßenbahnnetz nach dem Modell Karlsruhe einzubinden. Dann wäre das mit dem Dorf endgültig verflogen, aber das wären Investitionen gewesen, von denen aufgrund Bremens Schuldenstand sicherlich nur unter der Bettdecke geträumt wurde. Also bleibt fast alles beim Alten, zumindest was die Linienführung betrifft. Vier Linien sollen ab 2010 auf die Strecke gehen:
- S1: Bremerhaven Lehe - Bremen Hauptbahnhof - Twistringen
- S2: Bremen Hauptbahnhof - Oldenburg - Bad Zwischenahn
- S3: Bremen Hauptbahnhof - Nordenham
- S4: Bremen Farge - Bremen Vegesack - Bremen Hauptbahnof - Verden
Die Strecke von Farge nach Verden wird erst 2011 mit der S-Bahn bedient. Teilweise wurden die Strecken über die bisherige Linienführung verlängert, möglich macht das die Kooperation mit Niedersachsen. Zwischen Vegesack und Bremen Hauptbahnhof gibt es im Berufsverkehr einen 15 Minuten-Takt.
Das Interessant kommt eigentlich erst jetzt. Die neuen vier S-Bahn Linien werden nicht mehr von der Deutschen Bahn bedient, sondern von einem privaten Eisenbahnunternehmen, der NordWestBahn, die jetzt schon die Strecke von Bremen über Delmenhorst nach Osnabrück bedient. Die DB Regio AG hatte sich ebenfalls für die Ausscheibung beworben, hat aber im Nahverkehr mal wieder den Kürzeren gezogen. Leider gibt es keinerlei Infos jetzt darüber, warum gerade die NordWestBahn den Zuschlag bekommen hat. In der Ausschreibung für das neue S-Bahn Netz waren folgende Bedingungen seitens der Landes-Nahverkehrsgesellschaft gestellt:
- Einführung einer neuen Fahrzeugflotte
- Zugbegleitpersonal in allen Zügen ab 21h00
- Videoüberwachung in allen Fahrzeugen
- Einprägsames Taktsystem mit Verstärkerzügen im Berufsverkehr
Das Modell der NordWestBahn war vom Angebot und Preis wohl das Beste. Ich kann mir schon vorstellen, dass die DB AG da einige Sachen nicht akzeptiert hätte. Gerade die Vetaktung ist der DB ein Auge. Denn in den Zeiten besonders am Wochenende oder zur Vormittagszeit werden bis jetzt die Takte seitens DB Regio wieder vergrößert, bevor es dann nachmittags wieder mehr Fahrten gibt.
Bremen und Niedersachsen haben jetzt noch die Aufgabe sich um neue Fahrzeuge zu kümmern. Den Rest übernimmt die NordWestBahn. Und die Deutsche Bahn zieht sich immer weiter zurück aus dem Nahverkehr. Mehdorn und sein Prestige kann man halt nur noch mit Schnellfahrstrecken zwischen großen Metropolen zeigen. Aber wenn es schon nicht möglich ist einen RE nach der Ankunft in Bremen vor der Rückfahrt nach Hannover einmal zu putzen, dann weiß man, wo die Prioritäten liegen. Und mit den Privatbahnen, also Metronom und Nordwest Bahn, hat man mehr als gute Alternativen.
Interessant auch eine Ausssage, die die Landesnahverkehrsgesellschaft in der Pressemitteilung gemacht hat:
Mit der Ausschreibung der Regio-S-Bahn Bremen/ Niedersachsen steigt der Anteil der im Wettbewerb vergebenen Leistungen im Bereich der LNVG auf über 50 % und in Bremen auf ca. 80 %. In den Folgejahren sollen die SPNV-Ausschreibungen kontinuierlich fortgesetzt werden. Die nächsten großen Wettbewerbsnetze werden dann schon 2009 ausgeschrieben.
Das ist dann vor allem die Paradestrecke der DB in Niedersachsen, Hannover-Bremen-Oldenburg-Norddeich. Wenn es der DB auch hier zu schade ist, ein vernünftiges, verbessertes Angebot auf die Beine zu stellen, bete ich, dass der Metronom auch ab 2011 diese Route bedient. In Bremen gibt es dann nur noch Fernzüge der Deutschen Bahn AG.


