Egoistische Anwohner verhindern den Traum vom perfekten Stadion
Verfasst von Felix am Mittwoch,12 März, 2008
Um den Stadionausbau von Werder Bremen gab es in den letzten Monaten viele Diskussionen. Anwohner der Pauliner Marsch waren gegen jegliche Bauarbeiten und fürchteten eine “Verschandelung des Stadtbildes”, falls das Stadion einen weiteren Tribünenrang bekommen hätte. Werder Bremen wollte von Beginn an diesen Schritt, ein reines Fußballstadion mit 50.000 Plätzen. Doch da machten die Anwohner nicht mit, man leitete eine Klage beim Oberlandesgericht ein. Die mussten nun die einzelnen Bestandteile juristisch abwägen. Doch bevor überhaupt ein Urteil gesprochen wurde, hat Werder die Handbremse gezogen und gesagt: Wir machen einen halben Stadionumbau, verzichten auf den neuen Tribünenrang und belassen es bei einem Heranrücken der Plätze an das Spielfeld. Die ganzen juristischen Auseinandersetzungen hätte man sich also sparen können. Man ist jetzt zumindest im Verhältnis zwischen Werder und den Anwohnern dort, wo man schon vor einem Jahr war. Die Justiz wurde angeschmiert, die Anwohner freut es, und Werder sieht sich in seinem Kurs der finanziellen Konsolidierung bestätigt.
Denn jetzt sind die hohen Stahlpreise schuld. Werder hätte nach Angaben von Aufsichtsratschef Lemke bei einer Vergrößerung der Kapazität auf 50.000 Plätze rund ascht Millionen mehr aufbringen müssen, weil die Stahlpreise im letzten Jahr gestiegen seien. Dieses finanzielle Risiko wollte man aber nicht eingehen. Wenn man jetzt böse ist, könnte man sagen, dass Carlos Alberto den Ausbau des Stadions verhindert hat. Aber soweit wollen wir nicht gehen. Ich finde, man hat damit die einzigartige Chance vertan die Marke Werder Bremen noch attraktiver zu machen. Was ich mich frage, ist, ob es wirklich daran gescheitert ist, dass man die acht Millionen nicht ausgeben wollte. Denn man hätte durch die größere Kapazität auch mehr Einnahmen durch Ticketverkäufe bekommen. In ein, zwei Jahren wären die Ausgaben doch wieder gedeckt.
Jetzt muss Werder Bremen ganz alleine 60 Millionen in den Stadionausbau stecken. 68 Millionen Euro waren zu riskant. Die Einnahmen werden zudem durch Sponsoren und mehr Logen gedeckt. Wie das ganze genau später ausschauen soll, hat Werder-Geschäftsführer Manfred Müller bei Radio Bremen TV erklärt:
“Es bleibt dabei, dass die Bremer Arena ein reines Fußballstadion wird. Zukünftig wird es allerdings keine West- und Ostkurve mehr geben, sondern eine West- und Osttribüne, beiden Kurven werden begradigt und direkt an den Spielfeldrand herangezogen. Dahinter entsteht unter anderem Platz für neue attraktive Logen. Auch die beiden Haupttribünen rücken bis an den Rand des Spielfeldes.”
Werder hat es also nicht leicht. Das Stadion steht an der falschen Stelle, die Anwohner in der Pauliner Marsch sind Werder-Hasser und sorgen sich um das Stadtbild Bremens (die Altstadt ist mehrere Kilometer entfernt vom Stadion) und die Politik kann auch kein Geld geben, weil man nichts hat. Und an die Erfolge und den Status, den Werder der Hansestadt gegeben hat, denkt in diesem Moment keiner. Dass der Verein jetzt kein großes Risiko mehr eingehen will, ist bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. Doch wenn man schon vor einem Jahr in der Pauliner Marsch einen Ausbau akzeptiert hätte und sich nicht ständig auf irgendwelchen egoistischen Eigeninteressen ausgeruht hätte, dann wäre das alles viel schneller über die Bühne gegangen - und die Stahlpreise wären auch nicht zu hoch.
Ich bin dafür, dass man den Anwohnern in der Pauliner Marsch einfach beim nächsten Mal Ohrenschützer vorbeibringt. Ich weiß sehr wohl, dass seit 100 Jahren Bauten in Peterswerder verboten sind. Aber vielleicht kann man ja auch mal ein bisschen fortschrittlicher zeigen und nicht auf das Mittelalter beruhen. Bei 50.000 Zuschauern wäre das ja auch so viel lauter als würden 42.000 Zuschauer zum Stadion laufen. Dann zieht doch alle weg.
Schade, dass ein paar Einzelinteressen ein solches Projekt so lange verzögert haben, dass es jetzt nicht mehr auf soliden Füßen steht. Ganz Bremen dankt ihnen.
Links:
Buten un Binnen - Werders Rolle rückwärts
Buten un Binnen - Hinwendung zum Champagner-Fußball
Pressemitteilung von Werder Bremen
Nordwestradio - Wie geht es weiter beim Stadionausbau?
Na mal schauen, ob es wirklich zu mehr Champagner-Fußball kommt. Es soll mehr Logen geben, aber nicht mehr Steh- oder Sitzplätze für die üblichen Fans. Und die Erhöhung der Ticketpreise hat man seitens Werder Bremen auch nicht ausgeschlossen. Wer da jetzt Böses denkt…
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