Ich bin am frühen Abend dazu gekommen die Freitagnacht stattfindende Debatte der Demokraten in Austin/Texas mir anzuschauen. Vorne weg: Ich fand die Veranstaltung mehr als lasch, wirklich Neues haben wir nicht erfahren - und auf mich wirkte Hillary Clinton mehr als chanenlos Obama in die Defensive zu drängen. Besonders beim Vorwurf des Kopierens von Reden durch Barack Obama gab es sogar viele Buh-Rufe für Hillary Clinton. Am besten hat mir noch die Moderatorin Campbell Brown gefallen, aber nicht nur wegen des sehr guten Aussehens.
Die Debatte fand in der University of Texas statt. Zu Beginn wurden beide Kandidaten auf die Bühne gerufen und vom Publikum frenetisch gefeiert. Es gab ein Gruppenbild mit dem Präsidenten der Universität. Die Debatte war im Vorfeld mit großer Spannung erwarten worden. Texas wird wohl mutmaßlich ein entscheidener Staat sein im Prozess der Nominierung eines Präsidentschaftskandidaten, zudem richteten sich alle Augen auf Hillary Clinton, die über diese Debatte nach 10 Vorwahl-Niederlagen wieder Fuß fassen wollte. Es war vielleicht ihre letzte Chance.
Neben den vielen nationalen Themen, wie Irak-Krieg, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaft, gab es zahlreiche lokalspezifische Themen, wie Grenzkontrollen, Einwanderung und auch das Zusammenleben und Miteinander unterschiedlicher Kulturen. Ein Sender für die Hispanics hat die Debatte in Spanisch übertragen.
Beide begannen mit einem Eröffnungsstatement - und da wurde mir schon irgendwie klar, dass Hillary Clinton eher die ruhigere, besonnerer Schiene fährt an diesem Abend. Sie bringt viele persönliche Erfahrungen mit ein, will menschlich wirken, irgendwie so ein bisschen wie Obama. Der Senator aus Illinois beginnt die Debatte mit Erfahrungen aus dem Wahlkampf, erzählt drei Fallbeispiele und münzt das dann in eine Unterstreichung seiner Programmatik um. Was mich völlig verwundert hat, war, dass als erstes Thema die Beziehungen der USA zu Kuba thematisiert wurden. Vielleicht hängt das wohl mit der aktuellen Situation und mit dem Abtreten von Fidel Castro zusammen. Beide wollen in der post Fidel Castro - Ära Kuba verändern und zum eigenen Vorteil nutzen.
Dann kommt ein ganzer Berg an Themen, wie Immigration, wie Schulbildung und auch der ganze Wirtschaftskomple, wo kaum Unterschiede zwischen den Kandidaten deutlich werden. Die Angriffe beider gehen mehr in die Richtung der Regierung von Präsident Bush. Als Obama zum Beispiel die Unterschiede seiner Wirtschaftspolitik gegenüber der von Hillary Clinton erklären sollte, tat er sich schwer und wich, für die meisten aber eher unbemerkt, etwas aus. Gleiches galt dann aber auch für Hillary Clinton beim Thema Einwanderung. Dass es so viele Gemeinsamkeiten zwischen beiden Kandidaten gebe, wurde dann als Stärke der demokratischen Partei angesehen.
Obama, der einen feinen Anzug mit einer rot/lila Krawatte trug, spricht fast während der ganzen Debatte sehr langsam und ruhig, überlegt manchmal auch kurz wie er seine Sätze stellt, verwendtet dabei stets viele Elemente von Körpersprache, benutzt seine Hände zum Verstärken seiner Meinung, sucht stets Blickkontakt mit dem Publikum und den Moderatoren. Ganz ähnlich geht Hillary Clinton vor, vielleicht noch einen Tick agressiver und entschlossener in der Stimme, aber wirklich nur eine Nuance. Das Wort, das man übrigens am meisten hört, ist “agree”. Es war mehr eine Kuschel- und Wohlfühlveranstaltung der Demokraten. Eine aggressive, offensive, vielleicht auch leicht zickige Hillary Clinton hätte nur die ganze Atmosphäre versaut.
Bis auf einen Moment in der Debatte, als über den Vorwurf des Plagiatismus von Barack Obama gesprochen wurde. Er wieß die Vorwürfe zurück, bezeichnete die Diskussion darüber als “silly season”. Das sei nicht das, was das amerikanische Volk wolle. Probleme müssten gelöst werden. Obama bekam für dieses Statement sehr viel Applaus. Das konnte Hillary Clinton natürlich nicht auf sich sitzen lassen und konterte: “If your candidacy is going to be about words, then they should be your own words. “
Blöd nur für Hillary Clinton, dass diese Story sich entwickelt hat. Quasi ein klassisches politisches Eigentor, wenn es sich bestätigen sollte. Und so war im Prinzip auch der Abend. Ein friedliches Remis - mehr auch nicht. Aber Hillary Clinton brauchte einen überzeugenden Sieg. Der ist ihr nicht gelungen - und sollten sich Berichte von heute bestätigen, verliert sie es wahrscheinlich auch noch in der Nachspielzeit.
Die nächste Debatte der beiden ist dann in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ab 00.45 Uhr deutscher Zeit live bei Phoenix. Der Sender übernimmt dabei das Signal von MSNBC und sendet auch in Zweikanalton. Man muss sich also nicht unbedingt die Übersetzung antun. Tolle Sache, dass Phoenix das macht.
Und irgendwie glaube ich auch, dass Bill Clinton’s Anwesenheit in diesem Wahlkampf Hillary Clinton mehr geschadet als genützt hat.


