Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Nun war es die vergangenen Jahren ruhig geworden um den einstigen Medienmogul und Pay-TV Inhaber. Lediglich die Streitgkeiten mit seiner Bank über Abfindungen und Rückzahlungen beherrschten hin und wieder einmal die Schlagzeilen. Seit Anfang vergangener Woche war Leo Kirch aber wieder im Rampenlicht. Gerüchte kamen auf, wonach er substanzielles Interesse an den Bundesligarechten habe. Am Wochenende berichtete der SPIEGEL dann vorab, dass die DFL plane, die Bundesligarechte mit der Hilfe von Leo Kirch zu vermarkten.
Soviel zur Vorgeschichte. Heute kamen in Frankfurt am Main die Vorstände der 36 Bundesligsten und die DFL zur Beratung zusammen. Und wie erwartet gelang der Coup mit Leo Kirch trotz einiger Bedenken bei den Vereinen. Die Ergebnisse des Treffens gab die DFL dann am frühen Abend per Pressemitteilung bekannt. Vermisst jemand eine Prssekonferenz?
- Leo Kirch bekommt die Vermarktung der Bundesligarechte von 2009 bis 2015 übertragen. Dieser Vorgang umfasst die nächsten beiden Ausschreibungen und hat einen Wert von knapp 3,5 Milliarden Euro. Die Ausschreibung ist dabei auf den “deutschsprachigen Raum” begrenzt. Leo Kirch wird dies zusammen mit der Agentur Sirius durchführen.
- Als Grund nennt die DFL die Unabhängigkeit von zunehmenden Unwägbarkeiten im Medien- und Kapitalmarkt.
- Ferner plant die DFL die Bundesliga-Sendungen selbst zu produzieren. Dies soll aber auf das Pay-TV Geschäft beschränkt bleiben. Die DFL wiird also ab 2009 nicht nur Ausstrahlungsrechte vergben, sondern darüberhinaus auch ein fertig produziertes Produkt für welchen Sender auch immer.
- Die Auslandsrechte werden zukünftig über eine seperate DFL-Gesellschaft vergeben. Zusammen mit Erlösen aus Sponsoren und Marketing kann die DFL zusätzlich mit Einnahmen in Höhe von 450 Millionen Euro rechnen, so die Angaben.
- Die finale Ausschreibung für die Rechte von 2009-2011 soll erst im Frühjahr kommenden Jahres geschehen.
- Ab 2008/2009 werden wieder Relegationsspiele eingeführt. Der letzte der 1. Bundesliga trifft dabei in zwei Partien auf den drittplazierten der 2. Liga.
Wenn man sich zurzeit durch die diversen Foren, Blogs, Medienseiten und Zeitungen wühlt ist die Verwunderung groß über diesen Schritt. Viele Fragen scheinen noch unbeantwortet. Aber dafür ist ja bis Frühjahr noch Zeit.
Ich persönlich halte es erst einmal gar nicht für so verwerflich, dass die DFL einen “Zwischenhändler” einschaltet für die Vermarktung der TV-Rechte. Doch durch die Causa Leo Kirch, der schon einmal gezeigt hat, wie man ein Pay-TV Unternehmen mehr als nur gegen die Wand fährt, hat man sich meiner Meinung nach den völlig falschen Mann ausgesucht. Auch wenn er hervorragende Kontakte zur Medienbranche pflegt, gibt es doch zwei Nachteile. Leo Kirch ist sehr alt und ist schon einmal gescheitert. Woher das Vertrauen, liebe DFL? Aber primär kann ich mit der Lösung einer externen Vermarktung noch leben.
Was nicht nur mir übel aufstößt ist die Tatsache, dass die DFL im Pay-TV Bereich eine eigens produzierte Sendung ausstrahlen will. Dies ist zwar noch keine Zensur, aber auch längst nicht mehr eine unabhängige Berichterstattung. Premiere war schnell und hat mitteilen lassen, dass man für so einen Schritt nicht bereit sei. Zum Glück hat man das klargestellt. Und auch der Deutsche Journalistenverband kritisiert diesen Schritt der DFL heftig. Also hier scheint die DFL schon auf harten Widerstand zu stoßen.
Ich habe Premiere zu Leo Kirchs Zeiten nicht erlebt, habe aber schon häufiger gehört, dass von der Vielfalt des Programms unschlagbar war - auch mit der Konsequenz der Insolvenz. Und da genau habe ich meine Bedenken bei dem ganzen Prozedere, wie es die DFL heute eingeleitet hat. Leo Kirch hat enorm viel Geld in die Hand bekommen. Kann er eine Vermarktung schaffen, die dieses Geld wieder reinspült oder darf er wieder aus eigener Tasche drauflegen? Die DFL hat sich von Leo Kirch sehr abhängig gemacht. Was passiert denn, wenn Premiere es ablehnt die Pay-TV Rechte zu kaufen? Dann werden die Rechte entweder direkt via Kirch/Sirius gehen oder an mehrere andere kleinere Sender gehen. Dass wir dann nicht mehr von monatlichen Preisen um die 20 Euro sprechen dürfte damit auch klar sein. Ich sehe schon den Aufschrei, der durch die Repunlik geht. Denn eines hat sich auch gezeigt im Desaster von Arena. Die Menschen haben eine finanzielle Schmerzgrenze in Sachen Pay-TV. Die DFL ist kurz davor diese auszutesten, wenn nicht gar zu übersteigen.
In den Medien ist das Echo überwiegend negativ. Nachfolgend eine Zusammenstellung von Artikeln und Hinweisen auf andere Blogs.
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Komm se rein, Herr Kirch - Diskussion bei allesaussersport
Der Kommentator: Welcome Back, Leo
FTD: Kirch/DFL - Fehlpass
Handelsblatt: Gefährliches Spiel
Kommentar der Süddeutschen Zeitung
Uns stehen interessante Monate bevor…
Felix


